Marketing-Kanäle systematisch vergleichen
Meta gegen Google gegen LinkedIn gegen SEO direkt zu vergleichen ist verlockend — aber jede Plattform hat eine eigene Logik. Dieser Ratgeber zeigt, welche KPIs pro Kanal entscheidend sind und wo Cross-Channel-Vergleiche systematisch verzerren.
Zum RechnerDie Kanäle und ihre Charakteristika
Meta Ads (Facebook, Instagram)
- Stärke: günstiger Reach, präzises Audience-Targeting bei B2C
- Schwäche: seit iOS 14.5 schlechter trackbar, Attribution oft unklar
- Wichtige KPIs: CTR, CPM, ROAS — direkte Verkäufe
- Typische CPM: 5 – 25 € (B2C), 30 – 80 € (B2B)
- Typischer CTR: 1 – 3 % (Feed), 0,5 – 1,5 % (Stories)
Google Ads (Search + YouTube + Display)
- Stärke: Bottom-Funnel, hohe Kauf-Intent
- Schwäche: sehr teuer in B2B-Branchen (50 – 200 €/Klick)
- Wichtige KPIs: CPC, Quality Score, Conversion Rate
- Typischer CPC: 0,50 – 5 € (B2C), 5 – 50 € (B2B), 50 – 200 € (Legal/Insurance/SaaS)
- Achtung: Branded Search („Ihre Marke“ als Keyword) zeigt absurd hohen ROAS — das sind Kunden, die ohnehin gekauft hätten
LinkedIn Ads
- Stärke: bestes B2B-Targeting der Welt (Job-Title, Firma, Funktion)
- Schwäche: sehr hoher CPM (50 – 200 €), niedriger CTR
- Wichtige KPIs: CPL, Lead-Quality, Sales-Cycle-Time
- Typischer CPC: 6 – 12 € (sehr hoch)
- Realistisch: nur sinnvoll bei LTV > 5 000 € pro Kunde
Email-Marketing
- Stärke: niedrigster CAC pro Kunde (Bestandsliste!), hohe Wiederkaufrate
- Schwäche: Aufbau der Liste dauert; Open-Rate sinkt seit Apple Mail Privacy
- Wichtige KPIs: Open Rate, Click Rate, Revenue per Email, Unsubscribe Rate
- Typische ROAS: 30 – 50× (täuschend hoch, weil Spend sehr niedrig)
- Achtung: Personalkosten zur Erstellung sind oft der größere Posten als die Tool-Lizenz
SEO / Content-Marketing
- Stärke: Compound Effect — einmal investiert, jahrelange Effekte
- Schwäche: 6 – 12 Monate Anlaufzeit, keine direkte Steuerbarkeit
- Wichtige KPIs: Organic Traffic, Position 1-3 Rankings, Conversions aus Organic
- Spend ≈ 0, aber Personalkosten dominieren (Content-Team, SEO-Spezialist, Tool-Suite)
- ROAS-Berechnung problematisch — direkt vergleichbar nur über ROI
Influencer-Marketing
- Stärke: Vertrauensbasiert, gut für Awareness
- Schwäche: Attribution schwierig, Performance variiert stark
- Typische CPM: 10 – 100 € (Mikro-Influencer), 30 – 300 € (Makro)
- Faustregel: nur in Verbindung mit Promo-Code-Tracking sinnvoll messbar
Wo Cross-Channel-Vergleiche systematisch verzerren
Last-Click-Attribution überschätzt Bottom-Funnel-Kanäle
Branded Search, Email und Direct bekommen die ganze Conversion zugeordnet, obwohl Display, Social und SEO oft den Erstkontakt geliefert haben. Wer Channel-Allokation nur mit Last-Click macht, kürzt Awareness-Kanäle zu früh.
Email braucht eine bestehende Liste
ROAS 30× im Email-Kanal ist nichts wert, wenn die 50 000 €-Liste über 2 Jahre Meta-/Google-Spend aufgebaut wurde. Ehrlich: die List-Building-Kosten sollten anteilig dem Email-Kanal zugerechnet werden.
Branded Search gehört nicht zu „Acquisition“
Wer auf den eigenen Markennamen bietet, kauft Klicks von Kunden, die ohnehin schon gekauft hätten. Diese Kosten sind eher Brand-Defense (verhindert, dass Konkurrenz auf Ihre Marke bietet) — nicht Acquisition. Im CAC sollte das separat ausgewiesen werden.
Praktischer Vergleichs-Workflow
- Pro Kanal: Spend + Personal + Tools = Vollkosten
- Pro Kanal: Conversions zählen (Last-Click oder besseres Modell)
- Pro Kanal: CAC berechnen (Vollkosten / Kunden)
- Pro Kanal: ROI = (Umsatz − Vollkosten) / Vollkosten
- LTV/CAC-Ratio pro Kanal — wenn unterschiedlich pro Kanal, dort separat ansetzen
- Top-2-Kanäle skalieren, untere 50 % testen oder stoppen
Faustregel
Vergleichen Sie Kanäle quartalsweise auf ROI-Basis, nicht ROAS.Excel-Tabellen mit ROAS-only-Vergleich führen systematisch zu Budget-Allokationen, die kurzfristig gut aussehen und langfristig den Cashflow drücken.